Jurassic-Tour 2018 – Mit dem Motorrad durch das Jura

Aus dem ersten CB 1100 Treffen Iphofen sind echte, tiefgreifende Freundschaften entstanden und wir versuchen uns auch zwischen den Forentreffen zu sehen. Und so haben wir uns nach unserer letztjährigen Alpenglühen-Tour  fest vorgenommen, dieses Jahr wieder gemeinsam eine größere Tour zu fahren. Überlegungen für den Balkan oder andere Regionen waren schnell verworfen, nachdem Jakob die Schweiz bzw. das Jura vorgeschlagen hatten.  Ziel unserer Jurassic-Tour 2018 war es, eine Woche lang mit ein paar Freuden das Leben zu genießen 🙂

Los ging es nach einer langweiligen, über 800 km langen Anreise zunächst mit einem wohlverdienten feucht-fröhlichen Abend in Kleinkems, einem kleinen Ort in der Nähe der schweizer Grenze. Untergekommen sind wir in einem netten Hotel (Gasthaus zur Blume) mit einem schönen Biergarten und guter Küche.

Da Max leider nicht an der Jurassic-Tour 2018 teilnehmen konnte, bestand der harte Kern der Truppe „nur“ aus Jakob, Friedhelm und mir. Dazu sind aber zumindest für den ersten Tag noch Christian und Ronald gekommen. Wir waren also zunächst drei Honda CB 1100 und 2 BMW (GS & XR).

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Strenggenommen war der erste Tag aber gar nicht Teil der Jurassic-Tour 2018, sondern „nur“ eine nettes Vorgeplänkel im (Hoch-)Schwarzwald. Über eine schöne Strecke ging es an Kandern, Endenburg, Stockmatt vorbei Richtung Badenweiler und von dort zur am Wochenende leider gesperrten Schauinsland-Strecke. Dann zunächst über den Notschrei-Pass, den Feldbergpass und das Äulemer Kreuz in Richtung Hogschür und weiter u.a. über den St. Antoni-Pass zum nächsten Hotel. Leider mussten sich gegen Ende der Tour bzw. nach dem Abendessen Christian und Ronald verabschieden. Der Abend im Landgasthof zur Sonne war jedoch noch richtig gemütlich. Positiv habe ich neben der guten Speisekarte die Offerte aufgenommen, als Übernachtungsgast für 10 Euro ein zweigängiges Abendmenü zu erhalten.

 

Nach dieser ersten Etappe wollten die verbleibenden drei Teilnehmer endlich in die Zielregion: in das Jura und die angrenzende Regionen. Das Jura-Gebirge mit seinen französischen und schweizerischen Teilen liegt nordwestlich des Alpenkammes und des schweizerischen Mittellandes. Für ein erstes, langsames Eingewöhnen hatte Jakob einige kleinere Strecken und Pässe im Tafeljura herausgesucht. Und so sind wir über den Bözbergpass, Staffeleck, Bänkerjoch, Unterer und Oberer Hauenstein in Richtung Jura gefahren, wo uns dann mit dem Scheltenpass, dem La Hauteur und dem Jura-Gebirge die ersten Vorboten der nächsten Tage empfangen haben. Letzt genannter weist zwar nur eine Höhe von 1.279 m, aber immerhin eine Steigung bis zu 22 % in Verbindung mit einer relativ schmalen Straße auf. Erholen konnten wir uns abends dann im Gasthof National in Langendorf.

Einstein hat mal gesagt: „Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum – und aus Irrtum kann man lernen“. Das traf zwar nicht ganz auf uns zu, aber ansatzweise beschreibt es schon das Credo der nächsten Tage: Nahezu jede vorab geplante Etappe wurde spontan verändert, ergänzt, erweitert. Während des dritten Tages bzw. der zweiten Etappe im Jura, genauer nun im Faltenjura, wollten wir unter anderem zum höchsten Punkt im Kanton Jura fahren und einen tollen Blick auf die Alpen genießen.

Auf dem von Jakob vorbereiteten Programm der Jurassic-Tour 2018 standen u.a. der Col des Rangiers, der Col de Pierre Pertuis sowie der 1.502 m hohe Col du Chasseral, der eine wunderbare Aussicht auf die Alpen bietet. Nach einem stärkenden Picknick wurden uns dann noch kleinere Exemplare wie der Col des Pontins, Col des Etroits, Col du Mollendruz, Col de Pétra Félix und der Col de Pétra Félix gegönnt.

Die uns gebotene Aussicht war so toll, dass wir regelmäßig Fotostopps eingelegt haben. Von den Eindrücken vollkommen überwältigt hat aber leider einer von uns seine Brille verloren. Während der Vorbeifahrt beim tollen Neuenburgersee (Lac de Neuchâtel)  sowie in der später einsetzenden Dämmerung und während der Umfahrung des Lac de Joux im Hochtal des Vallée de Joux war das schon etwas störend. Um so zufriedener waren wir daher als wir beim Hotel de la Lande hinter dem Haus sichere Parkplätze gefunden hatten und gut für das leibliche Wohl gesorgt wurde.

 

Auch für den nächsten Tag haben wir beim Abendessen am Vortag und beim Frühstück mögliche Ergänzungen der Jurassic-Tour 2018 besprochen. Im Rahmen meiner Urlaubstour in Richtung Pyrenäen knapp 6 Wochen vorher hatte ich schon den nahezu kurios angelegten Col de Chaussy mit seinen 18 Kehren auf 4 Kilometern auf der schmalen Serpentinenstrasse in Richtung Montvernier kennen gelernt. Und so wurde dieser Pass in die Tour aufgenommen, die uns zudem an diesem Tag von der Schweiz nach Frankreich führen sollte.

Den Auftakt bildete der 1.447 m hohe Col du Marchairuz, gefolgt von einer kurvenreichen Strecke zum Col de la Faucille sowie später zum Col du Frêne. Von hier sind wir dann in einer etwas längeren, aber schönen Zwischenetappe endlich in Richtung Col du Chaussy sowie über die  seit einiger Zeit durchgehend asphaltierte Zwischenstrecke zum Col de la Madeleine mit seinen 1.993 m Höhe gefahren. Sobald wir in den Höhenlagen waren, hatten wir nur sehr wenig, teilweise gar keinen Verkehr und vor allem nette Kurven mit einem super Grip. Übernachtet haben wir im Département Savoie in Moutiers. Hier hatten wir kleines Hotel (Hôtel le Welcome’s) gefunden. Anfangs etwas skeptisch wurden wir sehr positiv überrascht von dem kostenlosen, sicher angeschlossenen Parkplatz im Hinterhof für unsere Motorräder und dem sehr guten Essen. Unser Abend war jedenfalls richtig nett.

 

Wie sollte es auch anders: Jakob hat im Rahmen der mittlerweile üblichen Neuplanung 13 statt vorher angedachter 6 Pässe im Bereich der  Hochsavojen für uns am nächsten Tag reserviert 😮 Unter die Räder haben wir direkt zu Beginn  den Cormet de Roselend mit seinen 1.967 Höhenmetern und seiner verwinkelten Straße sowie vielen, teilweise engen Kehren genommen. Nahezu nahtlos gefolgt wurde dieser vom Col du Méraillet und vom Col du Pré. Ab dort ging es weiter zum Col des Saisies, der zwar gemütlich zu fahren ist, aber ebenso wie der Cormet de Roselend und einige noch folgende Pässe zur Route des Grandes Alpes zählt.

Über die D 218 B und die D 909 wurden wir zum Col des Aravis und weiter Richtung Saint-Jean-de-Sixt getragen. Nach dem Wechsel auf die D4 und damit zum fast gleichnamigen Col de St Jean Sixt fuhren Jakob, Friedhelm und ich zum Col de la Colombière im Département Haute-Savoie, der wie viele andere Pässe unserer Tour schon oft Gegenstand der Tour de France war. Damit uns aber nicht schon langweilig wurde, hat Jakob uns aber darüber hinaus auch noch die 1.691 m des Col de Joux Plane, die 1.656 m des  Col du Ranfolly, die fast schon wenigen 1.235 m des Col du Corbier sowie zum Abschluss des Tages bzw. als Übergang zurück in die Schweiz die 1.371 m des Pas de Morgins gegönnt.  Nach all den Kurven, Höhenmetern und tollen Aussichten waren wir alle abends etwas geschafft, hatten uns dann aber doch noch aufgerafft, in die Stadt (Saint-Maurice) zu gehen. Die Preislage war sicher „schweiztypisch“, wobei allerdings unsere Übernachtungsmöglichkeit bei einem Franziskanerorden (Hôtellerie Franciscaine) positiv zu vermerken ist.

 

Der sechste Tag sollte uns teilweise durch die Alpen in das für Motorradfahrer wichtige, goldene Dreieck der Schweiz führen, in dem viele hohe Pässe liegen. Das Wetter war nach anfänglichem Sonnenschein leider nicht durchgehend perfekt. Wir hatten tief hängende Wolken und sogar etwas Regen, der jedoch mit unter einer Stunde Dauer nicht wirklich schlimm war.

Nach einem aufgrund einer Radfahrer-Truppe aus Tirol etwas spartanischen Frühstück haben wir uns bei zunächst noch gutem Wetter am Col de la Croix im Kanton Waadt erfreut und dann relativ zügig den Col du Pillon kennen gelernt. Der Saanenmöser diente dem Übergang zum Jaunpass. Von dort führte die Strecke entlang des sehenswerten Greyerzersee (Lac de la Gruyère) zum Gurnigelpass und Oberschönegg zum Thunersee sowie zum Brienzersee. Damit war es dann aber auch nicht mehr weit zu den eigentlich angestrebten Strecken des 2.224 hohen Sustenpasses. Nach einem Abstecher zur Göscheneralp gab es endlich die Gelegenheit zur Erkundung des Furkapasses. Hier hat uns aber leider unser Glück (kurzfristig) verlassen: Nebel, Sichtweiten zum Teil unter 50 m und erfrischende 7°C. Bei gutem Essen, leckerem Bier und Wein im motorradfreundlichen Hotel Grimsel holte uns zudem abends das Wissen ein, dass die Tour bald zu Ende sein würde.

Vor uns lag die nunmehr letzte und mit 450 km längste Etappe der Jurassic-Tour 2018. Wir sind relativ früh los und hatten daher die Gunst leerer Straßen. Zudem waren die Lichtverhältnisse einfach nur genial, vor allem in den Bereichen, in denen die langsam steigende Sonne den Schatten in den Tälern vertrieb.

Wir wollten uns anfangs noch etwas im goldenen Dreieck bewegen und mit dem Nufenpass gleich zu Anfang einen der höchsten Pässe der Schweiz befahren. Nach einer Weile parallel zur A2 und später über die 416 wurde dann der Lukmanierpass (Passo del Lucomagno) serviert. Zudem hatten wir die Möglichkeit den Oberalppass zu genießen und vor allem die Scharte des Vortages auszuwetzen – und den Furkapass ein zweites Mal bei deutlich besserem Wetter unter die Räder zu nehmen. Es schloss sich der teilweise von Wolken verhangene Grimselpass an. Bei der Abfahrt auf der nördlichen Rampe kam uns dann eine Gruppe von Bikern entgegen, die uns vor einem Hindernis warnten – der Alpabzug (bzw. deutsch: Almabtrieb) war im vollen Gang und wir mussten langsam passieren. Eine Erfahrung, die wir kurze Zeit später in Innertkirchen gleich ein zweites Mal machen durften, nur dass hier ein voller Stopp angesagt war und wir mitten im Geschehen waren. Es ist schon beeindruckend, welchen Audio-Genuss (vulgo: Lärm) die schön geschmückten Rindviecher mit ihren Riesenglocken darbieten.

Nachdem wir dann den Brünigpass überwunden hatten waren wir jedoch im schönen, aber fahrerisch eher mäßig interessanten schweizer Mittelland angekommen. Daher ging es dann zügig u.a. über die Weierhöhe und Oberer Hauenstein an Basel vorbei zum Hotel vom ersten Tag.

 

Toll war der Besuch von Ronald am Abend, der uns noch bis tief in die Nacht Gesellschaft geleistet hat. Leider war damit auch die Jurassic-Tour 2018 beendet und jeder von musste am nächsten Tag die Heimreise antreten. Aber die über 2.500 km gespickt mit mehr als 137 Höhen-km und unzähligen Pässen und Kurven sowie die geselligen Abende mit guten Freunden werden wir nie vergessen.
Das war eine super Tour Jakob!

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2 Antworten zu Jurassic-Tour 2018 – Mit dem Motorrad durch das Jura

  1. Friedhelm sagt:

    Immer wieder schön, zu gegebener Zeit Deine Reiseberichte zu lesen, lieber Thorsten.
    Folgt da noch was aus April 2018 ?

    🙂

    • Thorsten sagt:

      Lieber Friedhelm,

      selbstverständlich folgt da noch etwas aus April 2018.
      Wäre zu schade wenn ich die wichtigste und beste Tour des Jahres vernachlässigen würde.
      Das Kopfbild der Hauptseite 2018 kannst Du ja wahrscheinlich bereits zuorden. 😉
      Viele Grüße
      Thorsten

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