Russland & Baltikum im Sommer 2016

Ich bin ja mit dem Motorrad in der letzten Zeit ziemlich rumgekommen und habe durchaus ein Faible für die Reiseziele, die man nicht jeden Tag anfährt oder anfahren kann, und das hieß in diesem Jahr Russland & Baltikum. Und Ost-Europa sowie Russland stellten noch einen großen, mir unbekannten Bereich dar. Wir hatten also schon länger über eine Reise dorthin gesprochen und für mich kam nur das Motorrad als adäquates Reisemittel in Frage.

Aber vorab für einen ersten Eindruck mal die gesamte Reise in der Übersicht:

Während der Vorbereitungen kamen dann – wie bei allen unbekannten Reisezielen – die üblichen Fragen auf: Muß das wirklich sein? Was ist mit den sehr schlechten Straßen? Der in den Medien häufig zitierten ruppigen Fahrweise dort? Wie wird das Wetter? Gibt es Kriminalität, korrupte Polizisten oder Zöllner? Und vor allem, gibt es wegen der Sanktionen Probleme beim Visum oder mit der Bevölkerung? Um es vorweg zu nehmen: alles war sehr (!) viel besser als erwartet!

Das Einfachste war sowieso das Visum: Wir sind einfach zu einem russischen Reisebüro gegangen, haben Bilder und Pässe dort abgegeben, die Visumsgebühr sowie einen Zuschlag für das Reisebüro bezahlt und die haben alles erledigt. Von der obligatorischen Einladung, über das Ausfüllen der Dokumente und den Gang zu den russischen Behörden, das Anstehen dort etc. gibt es alles in einem Rundum-sorglos Paket.

Anreise mit der Fähre nach Russland & Baltikum

Ich wollte ursprünglich an der Ostsee entlang nach Russland fahren. Damit wir aber mehr Zeit dort haben, haben wir uns dann entschieden, mit der Fähre zu fahren. Wenn man Benzin und evtl. Übernachtungen Rechnet, ist die Fähre sogar nicht teurer. Leider gibt es keine Fähre mehr nach St. Petersburg und den (auch teureren) Umweg über Helsinki wollten wir vermeiden. Es gibt aber eine sehr gute Alternative, die nahezu täglich fährt: Nur Hinweg mit der DFDS-Fähre von Kiel nach Litauen kostet für das Motorrad und 2 Personen unter 50 € zzgl. je nach Gusto Ruhesessel, 4er-Kabine oder 2-Bettkabine. In Ruhesesseln ist man unter 200 Euro dort (Aber bitte nicht die LouisFunCard-Nummer für die 10% Rabatt vergessen). BTW: Hinweise für das Verzurren und eine Übersicht über Motorradtransporte habe ich auf einer Extra-Seite zusammen gestellt.

Wir sind also von Hamburg nach Kiel gefahren und haben dort am späteren Nachmittag das Motorrad verladen. Das ging richtig gut und die Verzurrung war absolut sicher. Es waren doch eine ganze Menge anderer Fahrer dort und wir haben eine sehr schöne Zeit verbracht [Viele Grüße an dieser Stelle an Ulla & Ralf]. Interessanterweise konnten wir auch die Verladung von Militärmaterial in das Baltikum beobachten.

An Bord der Fähre war es schon ganz geräumig und wir hatten eine ruhige Überfahrt mit allem was so notwendig ist. Abfahrt in Kiel war gegen 20:00 Uhr und am nächsten Tag 16:30 waren wir bereits in Klaipėda.

 

Ankunft im Baltikum

Nach der Ankunft in Klaipėda wollten wir aber nicht sogleich weiter und sind erstmal in ein kleines Motel etwas außerhalb gefahren. Das Motel Vlantana kann ich nur jedem empfehlen. Es ist ein kleines, preisgünstiges Motel auf dem Gelände einer großen Spedition wo die Motorräder sicher stehen. Inklusive WLAN, Frühstück etc. haben wir für 2 Personen insgesamt keine 30 Euro bezahlt.

Gegen Abend ging es dann zurück in die Stadt, wo wir auch die Motorrad-Fahrer von der Fähre wieder getroffen und einen schönen Abend verbracht haben.

Klaipėda selbst ist eine durchaus touristisch geprägte Hafenstadt in Litauen, die bis 1920 auch mal die nördlichste Stadt Deutschlands war. Es gibt dort eine sehr schöne Altstadt, die diesen Namen auch verdient sowie an manchen Stellen mehr oder weniger versteckt eine ganze Menge Kunst im öffentlichen Raum.

Aber wir wollten zügig weiter zum eigentlichen Reiseziel Russland. Daher ging es dann am nächsten Tag zum Teil über kleine Landstraßen, zum Teil über die größeren Verbindungswege nach Lettland, an Daugavpils vorbei bis kurz vor die Grenze nach Russland. Ich hatte mir vorgenommen, am folgenden Tag relativ zeitig am Grenzübergang zu sein, da ich den Zeitbedarf nicht einschätzen konnte.

Doch zunächst stand ja noch die Fahrt durch Litauen und Lettland an😀

Die Landschaft ist schon deutlich anders als das was ich ansonsten gewohnt bin. Ich liebe ja die Berge und die Pässe und kann zwangsläufig auch Norddeutschland fahrtechnisch nur begrenzt etwas abgewinnen. Aber diese Weite mit zum Teil kilometerlangen, graden Straßen waren mir so dann doch neu. Ich muß aber dennoch gestehen, es gibt dennoch sehr viel mehr zu sehen als ich erwartet hatte und ich habe es sehr genossen.

Nur eines ist noch erwähnenswert: Die Straßen dort nicht schlechter als unsere, im Gegenteil. Zu einem sehr großen Teil sind die Straßen dort extrem viel besser als bei uns!

 

Übernachten wollten wir in Zilupe, das nur kurz vor der russischen Grenze  liegt und hatten dort ein kleines Hotel (Hotel Lucia) gefunden, das gut gelegen war, einen schönen Blick aus dem Fenster auf eine orthodoxe Kirche ermöglichte und auch noch für einen kleinen Nachtspaziergang etwas bot. Besonders war ich aber davon angetan, daß mir für das Motorrad ohne das ich fragen mußte und ohne Aufpreis ein sicherer Parkplatz im überwachten und abgeschlossenen Innenhof angeboten wurde. Ein Service, den ich auf der Reise noch oft erhalten sollte!

 

Einreise nach Russland

Am nächsten Morgen hieß es dann packen und auf in das Ungewisse😎, schließlich wollten wir die EU verlassen und wußten nicht, wie die Beamten an der russischen Grenze drauf sind.

Wir kamen also an der Grenze an und hatten, obwohl es früh morgens war, bereits einen Stau vor uns. Aber nicht weil die Einreise nach Russland so lange dauerte, nein, es war die Ausreise aus der EU 🙀

An der lettischen Grenze müssen alle erstmal aus- bzw. absteigen, die Papiere vorzeigen und erhalten ein Dokument für ihr Fahrzeug. Dann geht es 100m weiter, der lettische Zoll kontrolliert die Papiere, Personen und Fahrzeug sowie die zuvor erhaltenen Dokumente erneut. Dann gibt es einen Stempel in das lettische Dokument. Danach geht es wieder 100m weiter und man muß nochmal aus- bzw. absteigen und das lettische Dokument wird von einem weiteren lettischen Posten kontrolliert (ob der Stempel da ist???) und man gibt es ab. Erst dann ist die Ausreise vollzogen. Weiter geht es dann zur russischen Grenze und in meinen Augen geht es da deutlich professioneller zu. Klar, es gibt Zoll und Militär. Aber meine Neugierde für Grenzsicherungsanlagen, ausziehbare Nagelsperren etc. wurde nur mit einem freundlichen Lachen quittiert.

Wir haben ziemlich lange für den Übertritt gebraucht, das lag aber nicht an den Russen, sondern wir haben die Dokumente anfangs falsch ausgefüllt und mußten das mehrfach machen😮. Kontrolliert wurde nur mit einem Hund, ob ich etwas schmuggle und der Zoll wollte dann kurz in die Koffer sehen. Leider waren die Gepäckrolle und ein Rucksack so verschnürt, daß ich erst alles abnehmen mußte. Die Zöllnerin, die das zuvor nicht gesehen hatte, ist nur leicht errötet, hat sich mehrfach entschuldigt (!) und nach einem sehr schnellen Blick in die Koffer konnten wir unsere Fahrt fortsetzen.

Wir sind dann von der Grenze über die M-9 an Welikije Luki vorbei in den Twer-Oblast gefahren und haben dort übernachtet. Die Strecke geht fast stur geradeaus, zeigt aber bereits noch deutlicher als in den baltischen Staaten die schier unglaubliche Weite der Landschaft.

Einen guten Teil der Strecke sind wir mit Xavier Subirana gefahren. Der war mit seiner Vespa auf einer 15.000 km Tour von Spanien nach Sibiren und zurück😮. Wir hatten ihn vor der Grenze überholt, an der Grenze wieder getroffen, gemeinsam bei den Dokumenten gelitten und dann auf der russischen Seite mit den Zweirädern „fangen gespielt“. Informationen zu seiner Tour (auf Spanisch) sind bei Vespa on Tour zu finden.

 

Der erste Besuch in Moskau

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Lande wollten wir dann nach Moskau fahren. Ich hatte ja im Vorwege schon viel über den Verkehr in Russland gehört und wie gefährlich der sein soll. Es stimmt, es ist viel Verkehr und es wird durchaus „energisch“ gefahren. Aber wer mal in Italien oder an der Südküste Frankreichs war, wird es eher einfach und harmlos finden. Die meisten Autofahrer, egal ob im Stau oder auf freier Strecke, machen Platz, wenn sie im Rückspiegel einen Motorradfahrer sehen. Man muß nur mit dem Verkehr mitschwimmen. Moskau selbst ist jedoch eine sehr große Stadt bzw. sogar mit rund 11,55 Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas, die permanent weiter wächst. So sieht man gleich bei der Einfahrt ein Neubaugebiet, in dem modernste Hochhäuser stehen und weitere gebaut werden.

Den Abend haben wir dann im Gorki-Park am rechten Ufer der Moskwa, der kostenlos zugänglich ist und immerhin etwa 1,2 qkm umfaßt. Auch in der Nacht gibt es dort ein umfangreiches Angebot an Freizeitaktivitäten und Gastronomie sowie öffentliche Tanzveranstaltungen, in diesem Fall sogar bei noch weit über 20 Grad unter freiem Himmel.

Den nächsten Tag haben wir damit verbracht, uns Moskau anzusehen. Dabei standen natürlich die „üblichen Verdächtigen“ ganz oben auf der Liste: Bolschoi-Theater, Rote Platz, Moskwa, …

Ich hatte ja viel erwarte, auch eine Menge Touristen. Aber daß alles so touristisch geprägt ist und so gar nicht dem Klischee eines Aufmarschplatzes entspricht, hatte ich nicht erwartet. Ich jedenfalls war positiv überrascht und es mir hat es sehr gut gefallen.

Besonders zu erwähnen ist aber für die Fans unter Euch die Uhr mit dem Countdown bis zur Eröffnung der Fußball-WM 2018 in unmittelbarer Nähe zum Roten Platz, vor dem Auferstehungstor und dem Staatlichen Historischen Museum 😀

Nachdem wir also u.a. das Bolschoi-Theater und den Roten Platz besucht hatten, sind wir dann zur Moskwa und haben eine Bootstour gebucht, die vorbei an dem russischen Verteidigungsministerium, der Akademie der Wissenschaften, sowie das durchaus umstrittene Denkmal für den russischen Zaren Peter I., das mit fast einhundert Metern Höhe zu den höchsten Statuen der Welt zählt.

 

Zurück auf dem Land

Wir hätten natürliche Tage und Wochen in Moskau verbringen können, ohne alles zu sehen. Zunächst wollten wir aber zurück auf das Land und dort noch Zeit verbringen sowie Touren fahren und dann später nochmals nach Moskau zurück kehren. Und so ging es zurück in den Twer-Oblast, um dort erstmal bei sehr viel besserem Wetter als zu dem Zeitpunkt in Deutschland😅 ausführlich ein „костёр“, sprich ein russisches Lagerfeuer zu genießen.

Wir haben also ein paar Tage auf dem Land verbracht und die Zeit genossen.

Und natürlich die Gelegenheit für kleinerer Ausflüge genutzt. Ein Ausflug ging nach Stariza, eine kleine Stadt mit nur ca. 9.000 Einwohnern. Sie ist aber auch eine der besterhaltenen Kleinstädte Russlands und hat mit dem im 12. Jahrhundert gegründeten Mariä-Himmelfahrts-Klosters eine echte Sehenswürdigkeit. Das schöne ist, daß dieses kaum touristisch bekannt und daher nicht überlaufen ist. Das Kloster wurde in den letzten Jahren intensiv restauriert und hat einiges zu bieten. Aber seht selbst:

Das Kloster liegt direkt an der Wolga. „Unbeliebt“ habe ich mich gemacht, als ich meinte, daß ich mir diese doch deutlich größer vorgestellt hatte 😇

Wir haben dann von Einheimischen noch den Hinweis bekommen, über die nahegelegene Brücke auf die exakt gegenüberliegende Wolga-Seite zu fahren. Dort sei noch ein Kloster, das leersteht und nicht restauriert sei. Eine Restaurierung sei wohl aber derzeit in der Diskussion.

Die nächste Tour führte nach Norden in den Nowgoroder Oblast, genauer nach Waldai. Dort liegt auf einer (Halb-)Insel des Waldaisees das Iwerski-Kloster. Dieses ist ebenfalls recht imposant, aber doch schon deutlich touristischer. Der Weg dorthin führt zunächst über eine als “Autobahn“ bezeichnete Bundesstraße und kleine Landstraßen durch Dörfer und Städte mit zum Teil noch traditioneller Bebauung, dann u.a. über eine kleinere, durchaus mit einigen Kurven versehene Straße, an der links und rechts wild gecampt werden kann.

Der Waldaisee ist sehr fischreich und wir haben am Wegesrand ein Schild gesehen für eine Räucher- und Grillbude. Nachdem wir ein paar Meter in den Wald gegangen sind, haben wir eine aus einem alten Eisenbahnwagen und selbstgezimmerten Unterständen bestehende Gaststätte gefunden, die frischen Fisch aus dem See selbst über Buchholz geräuchert hat und für 3 Euro verkauft….

Die Nacht haben wir in Waldai verbracht, da wir am nächsten Tag noch weiter in die Waldaihöhen wollten, die mit nur maximal 347m Höhe dennoch die höchste Erhebung im westlichen Innern von Russland sind. Ziel war es, über kleine Nebenstraßen zum Seligersee zu gelangen. Das ist der größte See der Region, umfasst 212 km² und hat rund 160 Inseln. Zugleich entspringen in seiner Nähe gleich drei Flüsse: Dnepr, Düna und Wolga.

Die Straßen waren zum Teil sehr gut, teilweise aber auch recht durchwachsen. Kritisch wurde es, als ich nach Landkarte eine sehr kleine Nebenstraße fahren wollte. Das war im wesentlichen eine Sandstraße, ohne Schotter, stabil, fester Untergrund und hervorragend zu fahren. Leider habe ich dann ohne Vorwarnung eine Stelle mit extrem losen Tiefsand erwischt, fast schon wie ein Kinderspielplatz🙀. Der Lenker ist sofort umgeschlagen und ich hatte richtig Mühe einen Sturz zu vermeiden…aber mit viel Glück ging alles gut. Das nächste Mal nehme ich dann doch die größere Straße, die es auch gibt ….

Der See wurde dann teilweise umrundet und es ging nach Ostashkov am Südufer des Sees, wo wir das Hotel „Gostevoy Dom Beregovaya“ gebucht hatten. Für 25 Euro insgesamt ein Doppelzimmer, mit Parkplatz und Frühstück für 2 Personen sowie max. 2 Minuten Fußweg an das Ufer des Sees fanden wir eigentlich ganz ok.😀

Den Aufenthalt dort haben wir dann spontan verlängert und sind im See schwimmen gegangen und haben Touren in das Umland gefahren. Eigentlich wollte ich auch zur Quelle der Wolga und bin auch bis auf ca. 20 km ran gekommen. Aber als ich dann wieder Sandstraßen gesehen habe, hat mein Entdeckerdrang schlagartig abgenommen :D Aber ich komme bestimmt mal wieder nach Russland & Baltikum, dann aber mit einer CRF 1000L (Africa Twin).

Witzig sind zudem manche Entdeckungen am Wegesrand: eine Pyramide, in der selbsternannte Heilsbringer auf die energetische Kraft der Pyramide vertrauen und normales Mineralwasser als energetisch aufgeladen verteuert verkaufen, Panzersperren und Mahnmale aus dem 2. Weltkrieg bis hin zu einem Schild, daß an einem Baum hing. Ich habe das in der Vorbeifahrt gesehen und mußte glatt nochmal umkehren und es photographieren … aber lest selbst (zumindest den deutschen Text auf der linken Seite).

Nach unserem Aufenthalt in Ostashkov sind wir über eine südliche Route wieder zurück in den Twer-Oblast gefahren und haben dort übernachtet um dann am folgenden Tag wieder weiter in Richtung Moskau zu fahren. Der Fluß auf den letzten beiden Bildern ist übrigens wieder die Wolga.

 

Zurück in Moskau

In Moskau angekommen wollte ich unbedingt zum Smotrowaja Ploschadka. Das ist ein 80m über dem Ufer der Moskwa gelegener Platz, der Moskaus populärster Ort für Motorradtreffen ist. Aber manchmal wird man im Leben nicht nur bestraft, wenn man zu spät ist. Manchmal wird man auch bestraft, wenn man zu früh ist…uns so war ich alleine dort 😄

Also hieß es erst die Aussicht genießen und dann später nochmals wieder kommen.
(Die Skisprungschanzen und –abfahrten im Hintergrund sind im Winter übrigens geöffnet)

Wir haben uns dann erstmal wieder auf unsere touristische Mission zurück besonnen und sind zur Arbat. Das ist eine etwa einen Kilometer lange Straße im historischen Zentrum von Moskau die seit dem 15. Jahrhundert besteht und damit zu den ältesten erhaltenen Straßen Moskaus zählt. Tagsüber schon eindrucksvoll wird sie nachts illuminiert und bietet viele Gelegenheiten für einen Kaffee oder eine Mahlzeit.

Da der Arbat fußläufig zum Roten Platz liegt und zum Kreml liegt, lag es also nahe, sich diese bei Nacht auch nochmal anzuschauen. Etwas übertrieben fand ich jedoch die Beleuchtung des Warenhaus GUM. Für die es nicht kennen mal ein Zitat aus Wikipedia: „Mit einer Fläche von rund 75.000 m² und einer über 100-jährigen Geschichte ist es eines der bekanntesten Handelsunternehmen und war nach alter Konzeption das größte Warenhaus Europas“. Zurück ins Bett ging es mit der Metro.

Aber Moskau hat sehr viel zu bieten und so war die Nacht dann nicht allzu lang und wir sind nach dem Frühstück zur Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft (WDNCh) gefahren. Das Gelände hat eine sehr wechselhafte Geschichte, von seiner Gründung 1939 als All-Unions-Landwirtschaftsausstellung (WSChW) über einen Messeplatz mit angeschlossenem Erholungspark bis zur heutigen, wieder zum alten Namen zurückgekehrten Konzeption. Es gibt dort viele Pavillons mit Ausstellung zu allen Themen, von Musik über Technik bis hin zur Landwirtschaft/Biologie. Leider hatten wir nicht genügend Zeit, uns alles in Ruhe anzuschauen. Zu den Exponaten zählen u.a. eine SU-27, eine Mi-8TB, eine Jak-42, eine Wostok-Rakete sowie der Space Shuttle-Konkurrent, sprich ein Buran-Prototyp 0.15 OK-TWA.Teilweise sind diese auf dem vorletzten Bild zu sehen.

Dafür konnte ich aber abends meinen Lapsus vom Vortag ausbügeln: es ging zum Motorradtreffen auf dem Smotrowaja Ploschadka 😃

Da ist wirklich ziemlich viel los und man sieht Bikes, die so in D wohl nie fahren dürften. Spaßig drauf war auch eine Bikerin (!), deren rotes Motorrad mit Superman-Bezügen verziert war und die mit einem roten Superman-Cape auch gefahren ist… Und Mittendrin meine CB mit deutschem Kennzeichen

Leider mußten wir uns dann von Moskau verabschieden. Dafür konnten wir aber das Wochenende nördlich von Moskau privat auf einer Datscha verbringen, was auch eine Erfahrung in sich ist. Hiervon gibt aber aus offensichtlichen Gründen leider keine Bilder hier 😀

Rückreise durch das Baltikum, Polen und Tschechien

Im Anschluß neigte sich dann unser Aufenthalt in Russland dem Ende zu. Wir haben daraus aber eine Tugend gemacht und sind nochmal in den Twer-Oblast gefahren haben dort übernachtet und sind dann weiter nach Norden am Ilmensee und Weliki Nowgorod vorbei Richting Pskow. Dort haben wir dann unsere letzte Nacht in Russland verbracht. Wir hatten ja noch die sportliche Aufgabe, rechtzeitig zum CB1100-Treffen in Iphofen zu sein …

Für den Rückweg wollte ich eine etwas andere Tour als für den Hinweg und zugleich noch etwas sowohl von der Strecke haben als auch von Land und Leuten sehen. Wir sind von Pskow über die Grenze nach Estland gefahren und von dort weiter nach Lettland in den Gauja-Nationalpark. Dort gibt es eine Menge sehr schöner Plätze und das ist eine Gegend, die definitiv mehr Zeit verdient, als wir hatten. Zumindest einen kleinen Eindruck konnten wir aber gewinnen und sind daher abends zufrieden in Riga angekommen. Auch hier kann man mit etwas Suchen gut und günstig übernachten. Wie immer waren die Anforderungen ein sicherer Parkplatz, kostenloses Internet und Frühstück … in der Reihenfolge 😃 Wir haben uns für das Apart Hotel Tomo entschieden.

Abends haben wir dann mit Motorrad und zu Fuß die Altstadt erkundet und es stimmt: die Altstädte von Estland, Lettland und Litauen sind sehr schön, so auch in Riga.

Die nächste Etappe ging dann nach Vilnius und auch hier haben wir zum Teil sehr schöne Straßen und vor allem am Abend eine schöne Altstadt genießen können. Übernachtet haben wir im Hotel Zemaites.

Bislang hatten wir mit dem Wetter auf der ganzen Reise sehr viel Glück, meistens Sonne, über 30 Grad, aber nicht zu heiß. Nun drohte aber ein massives Tief von der Ostsee das gesamte Baltikum zu treffen. Glücklicherweise hatten wir im Hotel WiFi und wir haben alle irgendwie erreichbaren Niederschlagsprognosen und Radarbilder studiert. Es gab da tatsächlich ein Loch in der Wolkendecke, das rotierend sich nach Süden bewegte. Damit war das Ziel klar: in dem Wolkenloch dem Regen davonfahren. Wir haben es auch fast vollständig geschafft 😀

Damit wir zudem der Schlechtwetterfront entkommen konnten ging der nächste Trip weiter nach Süd-Westen, nach Warschau, natürlich nicht ohne kleine Pausen (siehe erstes Bild…).

Zudem haben wir auf dem Weg das Kamaldulenserkloster im Wigry-Nationalpark besucht, in dem bis heute auch die Eremitenhäuser für Übernachtungen zu buchen sind. Wir wollten jedoch weiter bis nach Warschau, wo wir das Best Western Hotel Poleczki gebucht hatten, das mit deutlich unter 30 Euro insgesamt ebenfalls noch im Reisebudget lag.

Weiter ging es dann an Lodz vorbei bis Wroclaw, dem alten Breslau. Zur Übernachtung wurde das Hotel Brochów ausgewählt.

Auch die Altstadt von Wroclaw ist sehr schön und jedem dringend zu empfehlen. Besonders hervorheben möchte ich die sogenannten Breslauer Zwerge. Davon sind in der ganzen Stadt mehr als 300 aufgestellt, die alle in anderen Posen und Aktivitäten abgebildet sind. Leider konnten wir in einer Nacht nicht alle 300 finden😀. Es gibt sogar einen Zwerg auf dem Motorrad. Informationen hierzu bei Wikipedia.

Für den Weg zurück nach Deutschland gab es nun zwei Alternativen: die schnelle über Dresden oder Berlin oder die schöne über das Riesengebirge. Die Wahl war einstimmig😀. Und so sind wir in den Nationalpark Karkonoski Park Narodowyauf der polnischen Seite und den Nationalpark Krkonošský národní park auf der tschechischen Seite gefahren. Dabei kamen wir noch auf der polnischen Seite an einem Steinbruch vorbei, den wir uns intensiv angeschaut haben. Als dann aber die nächste Sprengung anstand, wurden wir freundlich aber bestimmt gebeten, die Stelle zu verlasen.

Das Riesengebirge, das ich bis dahin noch nicht befahren hatte, bietet einige sehr schöne Stellen und manche Strecken sind einfach klasse zu fahren. Wir haben das sehr genossen. Irgendwie war ich nach der russischen Weite aber auch wieder froh, mal wieder Kurven zu sehen….

Leider hat es uns dann bei der weiteren Strecke so erwischt, daß wir durch technischen K.o. beinahe ausgeschieden wären, es war immerhin der Vorabend des Treffens.

Wir wollten eigentlich durch das Riesengebirge als Prag vorbei bis nach Pilsen und dann nach einer Übernachtung weiter nach Iphofen. Bei langsamer Fahrt haben wir plötzlich Schleifgeräusche und ein Klackern gehört, daß wir vorher nicht kannten. Um Nebengeräusche auszuschließen sind wir dann auf eine Seitenstraße gefahren und mußten leider feststellen, daß es die CB war. Während wir noch auf der Fehlersuche waren und das Geräusch genau verorten wollten, kam ein Kleinwagen ziemlich schnell um die Ecke und hat angehalten. Es stellte sich heraus, daß es ein Hayabusa–Fahrer war, der uns helfen wollte. Wir sind dann erstmal zu ihm nach Hause und haben das Hinterrad zerlegt und dabei grauenhaftes entdeckt:

Doch abends gegen 19:00 Uhr passiert auch in Tschechien üblicherweise nichts mehr. Hotelzimmer zu bekommen war auch aufgrund eines Festivals in der Nähe nahezu aussichtslos. Aber der Hayabusa-Fahrer hat nicht nur ein Zimmer für uns gefunden, sondern auch einen Mechaniker, der nochmals ausgerückt ist und dem wir noch nachts die CB auf den Hof fahren konnten, damit er sie früh morgens als ersten behandeln kann. Darüber hinaus hat es uns seinen Wagen gegeben, damit wir zum Hotel und am nächsten Tag zurück zum Mechaniker können. Herzlichen Dank JAN!!!

Die CB war am nächsten Tag tatsächlich wieder fit. Gekostet hat der ganze Spaß, Ersatzteil, Arbeit und Mehrwertsteuer zusammen ca 23 Euro. Und es war eine sehr gute Arbeit. Wenn Ihr je dort einen Techniker benötigt, kann ich ihn uneingeschränkt empfehlen: Moto Suchý.

Der weitere Verlauf war auch zwar kürzer als ursprünglich geplant aber zielführend: Nach einer schnellen Autobahnetappe sind wir dann gegen Nachmittag in Iphofen eingetroffen, rechtzeitig zum CB 1100 Treffen 😀

Und bevor Fragen auftauchen: Für die ganze Strecke durch Russland & Baltikum hat mir mein Navi, das kostenlose ADAC-Material zum Baltikum und eine Russland-Karte gereicht. Letztere ist aber schon hilfreich, da das ADAC-Material Russland nicht abdeckt. Zu empfehlen ist die Landkarte Russland West (1:2.000.000) aus dem Reise Know-How Verlag.

4 Kommentare zu Russland & Baltikum im Sommer 2016

  1. Willi sagt:

    Toller Bericht über eine faszinierende Reise mit ansprechenden Bilden und kurzweilig zu lesenden interessanten Informationen. So etwas Ähnliches geht mir auch schon eine Weile im Kopf rum. Kann sicherlich den einen oder anderen Tipp nutzen, wenn es soweit ist. Vielen Dank dafür und weiterhin gute und sichere Fahrt.
    Gruß
    Willi

  2. Karin Braunstorfer sagt:

    Ist ein toller Bericht. Wir wollen 2018 von Österreich aus nach st. Petersburg fahren oder weiter, und es ist sehr hilfreich da wir noch nicht wiesen welche Route wir nehmen und wieviel Zeit wir einplanen müssen. Muss ich russisch können?
    Noch viele tolle Fahrten wünsche ich.
    Gruß Karin

    • Thorsten sagt:

      Hallo Karin,

      es freut mich, daß der Bericht Euch gefällt und eventuell hilft, die Reise zu planen. Wenn Ihr noch etwas braucht, können wir uns auch gerne dazu austauschen.

      Bzgl. der Russischkenntnisse: Viele Schilder an den Straßen sind in lateinischer und kyrillischer Schrift, so daß diese durchaus lesbar sind. In den Großstädten findet sich auch häufig jemand der englisch spricht, manchmal sogar deutsch. In Hotels und Restaurants geht es zumeist.

      Auf dem Land geht aber nur Russisch oder mit Händen & Füßen – aber auch das geht. Ein paar wichtige Begriffe bzw. deren kyrillische Schreibweise (z.B. das richtige Benzin) würde ich mir sicherheitshalber anschaunen. Wirklich problematisch fand ich die Reise nie, ganz im Gegenteil.

      Viele Grüße

      Thorsten

      • Karin Braunstorfer sagt:

        Danke für deine Ratschläge wäre nett wenn wir uns über die Mail Adresse austauschen konnten hab jetzt durch Zufall deine Antwort gelesen hab noch richtig viele Fragen. Wir wollen Ende Mai starten und 5wochen unterwegs sein. Wir sind zu 2 und haben schon etwas Erfahrung 20 000km Miami bis Costa Rica und eine Tour nach Albanien aber da war es mit der Sprache nicht so schwierig. Wenn es dir nicht Zuviels Umstände macht , melde dich XXXXXXXXX [email wegen Spam-Gefahr für den Nutzer gelöscht]

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