West-Balkan im März 2016 – Kroatien, Montenegro, Albanien, Kosovo, Mazedonien, …

Ich mußte im März für einige Wochen beruflich in den West-Balkan … und hatte schon schwerste Entzugserscheinungen weil mir größere Touren gefehlt haben. Was lag also näher, als die Tour mit meiner CB 1100 EX zu unternehmen. Im ersten Angang fand ich die Idee selbst nahezu schwachsinnig. Die Argumente dagegen waren offensichtlich: Jahreszeit, Schneegefahr in den Bergen, Sicherheitsaspekte, aktuelle politische Lage, Sturmgefahr auf dem Balkan (die bekannten Bora)…. Dann aber habe ich mich durchgerungen, es einfach mal zu probieren.

Obwohl der März ja nicht unbedingt der wettertechnisch sicherste Zeitraum ist, hatte ich Glück und konnte aufgrund des weitgehend guten Wetters die Fahrt richtig genießen. Vor dem Reisebericht aber zunächst ein paar Eindrücke von der Reise im Video:

Die Reise war zu einem guten Teil beruflich bedingt, so daß ich bzgl. bestimmter Termine und Orte nicht völlig flexibel war und leider auch nicht jeden Tag fahren konnte. Zudem war ich leider auch mal gezwungen „Kilometer zu machen“.

Anreise in den West-Balkan teilweise mit dem Autoreisezug

Los ging es Anfang März in Norddeutschland und auf einer langweiligen Autobahnetappe ins Ruhrgebiet. Am nächsten Tag dann die Verladung auf den Autoreisezug nach Wien und die Anreise nach Österreich über Nacht. Preislich mit 45 Euro für die Maschine, 44 Euro für mich war das ganz ok. Dazu kommt dann je nach Gusto noch Sitz-, Liege oder Bettplatz. Preislich war das – auch angesichts des noch etwas unsicheren Wetters – akzeptabel.

Nach einer gemütlichen Nacht dann morgens Entladung in Wien an dem neuen Terminal und auf zur ersten Etappe. Die führte mich von Wien an die Kroatische Küste. Die ersten Kilometer waren noch etwas kühl und führten über die Autobahn Richtung Graz, weiter an Maribor und Zagreb vorbei. Dann Wechsel auf die Landstraße. Dort auf einer schönen Strecke Richtung Ogulin und über die Berge nach Novo Vinodolski. Es war schon nett an einem Tag erst in den Bergen noch durch Schnee zu fahren, an machen Stellen auch Eis auf der Fahrbahn zu haben und den Abend dann an der Küste bei schon angenehmen Temperaturen und einem schönen Sonnenuntergang verbringen zu können.

 

JadranskaMagistrala

Am Tag zwei stand dann die Jadranska Magistrala auf dem Programm. Das Wetter war hervorragend und vor allem hatte ich aufgrund der neuen Autobahn und des noch fehlenden Tourismus die Straße an vielen Stellen für mich alleine. Ich kann nur empfehlen, das so deutlich außerhalb der Reisezeit mal zu probieren. Die Strecke führte an der Küste entlang und dann zum Grenzübergang Nova Sela nach Bosnien-Herzegowina um in Medugorje zu übernachten.

 

Montenegro

Weiter ging es dann über die M6 Richtung Trebinje und zur Grenze nach Montenegro. Leider war das Wetter absolut miserabel und ich bin so richtig naß geworden. Da ich aber am nächsten Tag Termine hatte, konnte ich keinen Zwischenstop einlegen. Und so mußte ich halt die Fahrt durch die Landschaft nach Niksic und weiter nach Podgorica „genießen“. Ich bin buchstäblich durch eine „Wasserwand“ gefahren.

Es sollte aber er einzige wirklich nasse Tag auf der ganzen Reise bleiben. Und bereits der nächste Morgen versprach besseres Wetter. Jedoch stand erst mal Arbeiten auf dem Programm.

 

Albanien

Nach getaner Arbeit ging es in einer langweiligen Etappe nach Tirana, wo ich einige Tage verbracht habe. Von dort habe ich Touren in das Umland nach Westen zur Küste (Durres), in das Inland zu einer der ältesten Städte Albaniens (Berat, auch „Stadt der tausend Fenster“ genannt und auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbe), Richtung Südküste (Vlore) sowie nach Osten zum Ohridsee unternommen. Ich bin aber auch der verrückten Idee verfallen, die SH71 zu fahren und Abstecher auf kleinere Nebenstrecken zu versuchen. Mit einem Straßenbike keine gute Sache und die Bilder unten zeigen auch nur die harmlosen Abschnitte…Ist zwar gut gegangen, aber den Schlamm konnte ich nachher in fast cm-starken Schichten von meiner CB und mir abkratzen. 😄

Beeindruckend für mich war eine Gelegenheit, die ich stellvertretend für die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Albaner nennen möchte: Auf dem Weg nach Vlore kam ich an eine durch Baustellen komplett gesperrte Straße. Auf dem Navi konnte ich auf Anhieb keine Umgehung finden und habe zunächst den Rückzug angetreten, d.h. ich bin mit der Maschine die Straße ein paar Meter zurück gefahren. Ein Autofahrer und seine Begleiter hinter mir haben das erkannt und mein eigentliches Ziel richtig erraten. Er ist dann hinter mir her und hat mich intensiv hupend angehalten, nur um mir gestikulierend eine Alternative zu zeigen, die mich doch noch an mein Ziel bringen sollte

 

Kosovo

Nachdem dann erneut leider einige Tage mit Arbeit gefüllt waren führten mich die nächsten Etappen über die Albanischen Berge in den Kosovo. Dort zunächst nach Prisren und am nächsten Tag dann nach Pristina. Die Straßen waren im wesentlichen gut bis sehr gut und auch diesmal fast leer. Ich bin sogar (noch in Albanien) auch ein paar km Autobahn gefahren, die ich für mich alleine hatte.

Auch im Kosovo war leider Arbeit angesagt, ich konnte jedoch zum Glück auch einige nach meiner Meinung sehr schöne Touren unternehmen. Unter anderem bin ich zum Ujmanit See in den Norden des Kosovo gefahren und konnte auf einer anderen Tour die Rugova-Schlucht und den Kula-Pass genießen. Der Kosovo hat zwar sicher noch mit den Problemen eines jungen Staates zu kämpfen, jedoch sind dort sehr viele schöne Ecken vorhanden. Und grade als Deutscher wird man nicht nur zuvorkommend behandelt, sondern erhält nahezu den sprichwörtlichen „roten Teppich“ ausgerollt.

 

Rückreise durch Mazedonien und Bulgarien

Nachdem meine Zeit im Kosovo abgelaufen war, bin ich von meiner ursprünglichen Planung abgewichen und über Mazedonien nach Bulgarien gefahren. Auch die beiden Staaten war für mich jeweils das „erste Mal“ und auch hier kann ich nur sagen: es lohnt sich. Es gibt eine ganze Menge schöner Strecken und die Landschaft ist durchaus sehenswert.

 

und weiter durch Rumänien, Ungarn, Slowakei und Tschechien

Da die 4 Wochen im West-Balkan sich dem Ende zuneigten wurde es nun langsam Zeit sich zu verabschieden und so bin ich dann Richtung Rumänien nach Craiova & Timisoara und dabei durch das Donautal an der Grenze nach Serbien entlang gefahren. Das Wetter war leider nicht ganz so gut wie bei meinem letzten Besuch dort, aber es ist zumindest trocken geblieben.

Die nächsten Etappen führten mich dann nach Ungarn sowie durch die Slowakei und Tschechische Republik zurück nach Deutschland. Auf einen Autoreisezug habe ich verzichtet und statt dessen lieber noch einige schöne Kilometer gemacht, bevor mich der Alltag wieder einfängt.

7 Kommentare zu West-Balkan im März 2016 – Kroatien, Montenegro, Albanien, Kosovo, Mazedonien, …

  1. Andreas sagt:

    Hallo Thorsten,

    Ich habe im Forum Motorradkarawane bei Reisepartner, Südosteuropa/ Balkan wer kommt mit unter erli56 meine geplante Tour drin. Habe mit grosser Interesse Deinen Bericht von 2016 gelesen. Wenn Du im März gefahren bist, hoffe ich wenn ich Ende April starte, dass es dann nicht ganz so kalt wird ? Kannst Du mir noch ein paar Tipps zur Tour geben ? Würde mich sehr freuen von Dir zu hören.

    Habe übrigens immer noch keinen Mitfahrer. Werde wohl allein fahren müssen.
    Viele Grüße aus BW Andreas

    • Thorsten sagt:

      Hallo Andreas,

      Ende April sollte das Wetter eigentlich schon ganz gut sein.. Auch die berühmten Bora sollten vorbei sein. Allerdings würde ich in den Bergen noch auf evenntuellen Schnee achten. Der Transfăgărășan in Rumänien ist dann mit Sicherheit noch zu.

      Ich schreibe Dich aber noch bei Motorradkarawane für einen Austausch an.

      Bzgl. der Reisepartner: Hast Du unsere Tour Ende April 2017 nach Kroatien / Bosnien-Herzegowina hier auf der Website gesehen?

      Viele Grüße

      Thorsten

  2. Sascha sagt:

    Hm, wieso fährst Du von Hamburg runter nach DUS, wenn Du in Hamburg auf den Autoreisezug nach Villach kannst?????
    Das hättest Du viel einfacher und weiter haben können, als bis nach Wien.
    Ansonsten ein netter Bericht. Danke!

    • Thorsten sagt:

      Hallo Sascha,

      das waren zwei Hauptgründe und angenehmer Nebeneffekt: 1) Ich wollte nach Wien, da die Wetteraussichten von dort in Richtung Kroatien besser waren als ab Villach. 2) Der Zug HH – Wien war bereits ausgebucht und 3) Ich konnte zur Motorradmesse Dortmund 🙂

  3. Andreas sagt:

    Hallo,

    habe deinen Bericht über den Balkan gelesen. Da wir auch dieses Jahr ungefähr die gleiche Richtung abklappern, wollte ich dich fragen ob du im Kosovo Montenegro Mazedonien Bulgarien Hotelempfehlungen abgeben kannst!?

    vielen lieben Dank
    Andreas

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