TomTom Rider 400 / 410

Update

Mittlerweile gibt es neues TomTom Rider 550 , das leistungsfähiger sein soll und u.a. keinen PC mehr für die Kartenaktualisierung benötigt.

Update August 2016

Mein erster Eindruck zum TomTom Rider 400 war durchaus ambivalent, stellenweise sogar negativ – jedoch nicht hinsichtlich der Hardware, sondern im wesentlichen bezüglich der Software.

Zur Ehrenrettung von TomTom ist mittlerweile festzustellen, daß an vielen Stellen nachgebessert wurde:

  • Der Zertifikatfehler zum Statistikdienst tritt nicht mehr auf
  • Die Geschwindigkeit bei der Routenplanung ist gefühlt etwas gestiegen
  • Die Daten zu Geschwindigkeitsbeschränkungen sind deutlich genauer, wenn auch im Ausland nicht immer perfekt
  • Kartenmaterial ist aktuell

Mydrive nutze ich noch immer nicht zur Planung und kann daher nicht darüber sagen. Mir reicht weiterhin Tyre.

Ich nutze das TomTom Rider 400 mittlerweile als primäres Navi, habe aber sowohl das Garmin als auch Apps auf dem Smartphone als backup.

Anzumerken ist noch, daß das angeblich neuere TomTom Rider 410 in der Hardware einem Rider 400 entspricht, lediglich einige vorinstallierten Routen, Lifetime Radarkamera-Dienst und Lifetime World Maps sind nun inklusive.

 

Ursprüngliche Rezension aus August 2015

Ich habe das TomTom Rider 400 Mitte Juli erhalten; passend zu einer Europareise, die ich schon seit einiger Zeit geplant hatte.  So konnte ich es gleich mitnehmen und auf über 7.000 km testen. Die gesamte Route führte über ca. 3 Wochen von Norddeutschland in den Bayerischen Wald nach Tschechien. Dann weiter nach Österreich und dort über das Salzburger Land, die Steiermark und Kärnten. Dann Pässe fahren in Österreich, Slowenien und Italien. Danach weiter über Friaul-Julisch Venetien, Venetien, die Lombardei, das Piemont nach Ligurien. Dort wieder Pässe in den ligurischen Alpen und den französischen Seealpen mitgenommen.  Dann in Frankreich bzw. Monaco an der Côte d’Azur entlang bis kurz vor Marseille. Nach Norden durch Rhône-Alpes und Franche-Comté in die Vogesen und dann über Lorraine zurück nach Deutschland. Ich konnte so einen guten Eindruck über die Planungs- und Datenqualität in und außerhalb Deutschlands gewinnen.

Allgemeiner Eindruck und Geräteinstallation

Das Gerät selbst und die in dem Paket enthalten Teile machen einen wertigen, stabilen Eindruck. Die Halterung ist ein RAM Mount mit einer TomTom spezifischen Halterung, die eine Drehung des Gerätes um 90 Grad links oder rechts erlaubt. Dies ist im Vergleich zu anderen Navigationsgeräten angenehm, da das Gerät die Ausrichtung erkennt und die Ansicht von Quer-  in das Hochformat wechselt. Je nach Vorlieben und Streckenbedingungen ist so ein besserer Überblick möglich. Die Installation ist mit der mitgelieferten Verkabelung denkbar einfach: ich habe das Kabel unter dem Tank durchgezogen und zusammen mit weiteren Verbrauchern über einen BAAS ES03 Batterie-Verteiler  angeschlossen. Bei der weiteren Installation und Benutzung des Gerätes fällt aber auf, das es wohl noch sehr neu und längst nicht alles ausgereift ist.

Softwareinstallation:

Die mitgelieferte Software installiert sich einfach und schnell. Jedoch startet diese ohne weitere Fehlermeldung nicht, wenn auf einem Win 7 Pro 64bit System nur 64bit Java vorhanden ist. Erst nachdem ich auf Verdacht auch die 32bit Version installiert habe, lief die Software. Erstaunlich ist auch, daß seitens TomTom bei Mydrive der Statistikdienst Webtrends verwendet wird. Selbst wenn dieses akzeptiert werden kann ist es mehr als zweifelhaft, daß bei jedem Start vom Betriebssystem ein Verschlüssungsfehler gemeldet wird (ungültiges SSL-Zertifikat und nicht vertrauenswürdige CA bei Webtrends). Das ist schlicht nicht akzeptabel.

Softwarefunktionalität &-qualität auf dem Computer

Mydrive zur Routenplanung ist katastrophal, z.B. (1) es ist langsam, (2) findet oft Straßen nicht, wenn sie mit „ss“ anstatt von „ß“ geschrieben werden (3) Zwischenstops etc. sind nicht trivial in eine Route einzubauen, (4) ein Startpunkt kann zwar in mydrive gewählt werden, ist jedoch nicht oder nur mühsam an das Gerät zu übertragen, (5) Ziele und POI können zwar einfach an das Gerät übertragen werden, jedoch nicht Routen. Fazit: unbrauchbar! Das deutlich bessere Tyre konnte wohl nach Angaben der Entwickler nicht fristgerecht an das neue Gerät angepaßt werden. Durch mehrere zwischenzeitlich erfolgte Aktualisierungen ist die Software nun aber mit dem Rider 400 gemeinsam nutzbar.

Softwarefunktionalität & -qualität auf dem Gerät

Auf dem Gerät können bequem (kurze) Routen erstellt werden. Die Hardware ist durchaus schnell in der Berechnung und findet die GPS-Signale schnell. Auch die Planung längerer oder komplizierterer Routen an sich war sehr einfach. Jedoch ist es extrem zeitaufwendig, daß das Gerät bei jedem neu eingefügten Zwischenstop die Route automatisch komplett neu berechnet. Die jeweiligen Wartezeiten sind deutlich zu lang. Besser wäre es, erst alle Stops einzufügen und dann manuell eine neue Berechnung auszulösen. Die Planungsqualität hingegen ist gut. Insbesondere die Funktionalität spannende Tour kann zu interessanten Strecken führen. Auf einer bekannten Strecke wurde eine leicht geänderte Route vorgeschlagen, die durchaus interessant aussah.

Jedoch waren die Berechnungszeiten mit zunehmender Streckenlänge auf dem Gerät relativ lang (bei einer 350km Tour mehrere Minuten, wenn Zwischenziele eingefügt werden entsprechend länger). Für die Planung spannender Touren wäre die Abfrage der gewünschten Streckenlänge und/oder der gewünschten Fahrzeit vorteilhaft. So läßt man das Gerät relativ lange arbeiten, nur um dann festzustellen, daß die angebotene Strecke unter Umständen doch nicht gefahren werden kann. Verbesserungswürdig ist auch die Neuplanung bei Abweichungen von der Route, die etwas langsam ist und deren Ergebnisse nicht immer nachvollziehbar sind. Die angebotene Sprachausgabe habe ich nicht getestet, da mir eine optische Anzeige völlig ausreicht und während der Fahrt lediglich den Motor und den Wind hören möchte.

Datenaktualität und –qualität

Mit Hilfe von MyDrive Connect wird das Rider 400 am Computer aktualisiert. Positiv fällt auf, daß neben möglichen großen Kartenupdates relativ häufig Community Updates für die Karten und die im Lieferumfang enthaltenen SpeedCam-Daten angeboten werden. Während das Kartenmaterial und die Deutschland angebotenen Verkehrsdaten umfangreich und gut sind, sind die Daten zu Geschwindigkeitsbeschränkungen einfach nur miserabel, wenn nicht sogar gefährlich. In D sind die Daten noch halbwegs aktuell. In Österreich sind sie bereits deutlich fehlerbehaftet und weisen spätestens in Italien sowie stellenweise in Frankreich eine Fehlerquote gefühlt von weit über 50% auf. Dabei treten höhere Angaben über Geschwindigkeitsbeschränkungen im Gerät als real vorhanden deutlich häufiger auf als niedrigere (z.B. Angabe 90km/h Beschränkung während die Beschilderung 70km/h oder gar nur 50km/h ausweist). Die Ursache kann nicht die Positionsmessung sein, da der Fehler über mehrere Streckenkilometer konstant vorhanden ist.  Die Routenplanung jedoch ist sowohl im D als auch im Ausland gut

Informationen für den Fahrer, Darstellung im Display & Bedienung während der Fahrt

Die während der Fahrt angebotenen Daten sind ausreichend und werden schnell dem jeweiligen Geschehen angepaßt. Leider ist die Darstellung jenseits einer farblichen Anpassung kaum zu customizen. Mal ehrlich: wer braucht die Auswahl zwischen den Farben „leuchtendes Violett“, „opulente Orchidee“, „Baby Blau“, „Glitzerndes Grün“, „Lustige Limone“….). Das kann doch nur ein schlechter Witz sein. Das Rider 400 soll doch ein Motorradnavi sein und kein Schminktisch.  Man hat fast den Eindruck, die Gerätesoftware wurde ausschließlich von der Marketingabteilung getestet und nicht einmal von einem Motorradfahrer.

Mir wäre lieber, ich könnte die Größe, Positionierung und den Umfang der dargestellten Daten frei wählen.  Z.B. können Daten zu der Höhe über N.N. nicht eingeblendet werden, obwohl diese im System vorhanden sein müssen. Bei Paßfahrten mag dies für den einen  oder anderen interessant sein. Die Bedienelemente sind so klein, daß diese zwar mit schlanken Fingern am Schreibtisch der Marketingabteilung zu nutzen sind, jedoch kaum mit Motorradhandschuhen während der Fahrt (ja, ich weiß, tut man nicht 😀 ).

Auch ist mir aufgefallen, daß während der Navigation bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn viele Details ausgeblendet werden (z.B. Straßen außerhalb der Autobahn). Für einen Fahrer, der sich orientieren und gegebenenfalls spontan von der Route abweichen möchte, ist dies nicht grade vorteilhaft. Was mich massiv stört, ist das die während der Fahrt vorgenommenen Einstellungen z.B. hinsichtlich Zoom nicht gespeichert werden, sondern die Darstellung wieder zurückgestellt wird, wenn man mal in das Menü wechselt. Die Darstellungsqualität selbst ist aufgrund der hohen Auflösung gut, jedoch reflektiert das Display und ist in der Sonne nicht immer ablesbar.

Fazit

Das Rider 400 ist für mich ein interessantes Navi mit einer guten Hardware. Die Software auf dem Computer und dem Gerät sowie die Datenqualität haben derzeit aber noch extrem viel, wenn nicht sogar zuviel Spielraum nach oben. Dies vermiest die Freude am Gerät vollständig. Folglich ist hier schnellstens nachzubessern.

Ein Kommentar zu TomTom Rider 400 / 410

  1. Pingback: Bisher hatte ich noch nie ein "gepökeltes" Navi...Motorräder und Touren

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