Alpenglühen, September 2017 – eine Pässetour mit guten Freunden

Nach den Treffen 2016 in Iphofen und 2017 im Ruhrgebiet sowie der schönen Zeit im Balkan kam Friedhelm auf die hervorragende Idee, daß noch eine Saisonabschlußtour notwendig wäre. Er hat sich an die Arbeit gemacht (meinen herzlichen Dank dafür Friedhelm!), das Projekt „Alpenglühen“ ausgerufen und die ganzen Details wie Route und Hotels geplant – eine Tour für ein paar Tage Anfang September mit guten Freunden über sehr schöne Pässe im Dreiländereck Österreich, Schweiz und Italien. Mir bot sich dabei die Möglichkeit, die nächsten Ziele in Denzels Großer Alpenstraßenführer abzuhaken.

Meine Anreise war ziemlich mühsam – da keine Zeit für eine ausgedehnte Tour auf dieser Strecke war und auch das Wetter diese nicht zugelassen hätte, ging es in einem „Rutsch“ über die Autobahn von Norddeutschland bis Österreich. Ein ziemlicher Ritt. Doch die Entschädigung dafür waren die nächsten Tage.

Friedhelm hatte eine super Tour geplant, die wir jedoch aufgrund der Witterung stellenweise etwas „flexibel“ befolgt sind und kleinere Veränderungen vorgenommen haben. Dies ist die gefahrene (nicht die geplante) Strecke vom Alpenglühen, jedenfalls soweit ich dabei war:

volle Distanz: 851.51 km
Maximale Höhe: 2766 m
Minimale Höhe: 209 m
Gesamtanstieg: 28830 m
Gesamtabstieg: -28299 m
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Alpenglühen – der Anfang

Nachdem ich zur Überraschung meiner Freunde trotz einer 800 km Anfahrt fast auf die Minute pünktlich war und im Waldrast Bed & Breakfast wir noch einen schönen Abend mit Pizza-Lieferdienst aber „eigenem Bierzapfhahn“ hatten, ging es heute endlich los. Auf dem Programm stand zunächst die Silvretta-Hochalpenstraße, die von dem Vorarlberger Montafon über das Vermunt und die Bielerhöhe sowie die Berge der Silvretta bis in das Tiroler Paznaun führt. Zum Glück bzw. der bereits beendeten Haupt-Urlaubszeit gedankt, hatten wir kaum Verkehr und darüber hinaus ein richtig gutes Wetter.

Nachdem wir den ersten Fotostopp eingelegt hatten (nicht ohne ein zweites Frühstück für Jakob😂), ging es gleich weiter zu nächsten „Location“ am Silvretta-Stausee.

Das Projekt Alpenglühen fing also schon mal gut an😃. Noch waren wir aber nur zu viert und Uwe fehlte noch, der über Nacht mit dem Autoreisezug bis Innsbruck angereist ist und den wir in Ischgl „einfangen“ wollten.

Nachdem wir dann Uwe  auch dabei hatten konnte es weitergehen. Durch das Ötztal und später das Gurgler Tal bzw. über die 171 und die 186 sollte uns die Tour zum Timmelsjoch (Passo del Rombo) führen. Hier wurde es dann schon ziemlich diesig und die Wolken haben zunächst jede (Fern-)Sicht verhindert. Aber wie in den Bergen üblich, kann sich das Wetter fast spontan ändern und wir hatten einige Minuten später zumindest etwas bessere Sicht.

Nach einem kurzem Aufenthalt am Timmelsjoch, einem schnellen Besuch im „Museum“ und einigen Bildern ging es rüber nach Italien und bei schönem Wetter über die SS44bis in Richtung Jaufenpass, vor dem wir ein Lager für die Nacht vorgebucht hatten (Gasthof Innerwalten).

 

Fünf Freunde im Schnee

Der nächste Morgen hat uns dann jedoch gleich mit Wolken, Dauerregen und deutlich niedrigeren Temperaturen begrüßt. Die Wetterapp ließ auch nichts Gutes verlauten: Schneegefahr. Und tatsächlich war uns das Wetter nicht holt oder wir waren für Anfang September einfach etwas zu hoch. Jedenfalls hatte ich nicht damit gerechnet… 🙀

Wir sind den Jaufenpass rauf und bereits nach kurzer Zeit fielen die ersten Schneeflocken. Bald danach wurde es witzig, wie Ihr auf den Bildern seht (ich muss jedoch gestehen, daß diese Bilder nicht von mir, sondern von Friedhelm und Max stammen).

Beim nächsten Tankstopp konnten wir uns dann nach dem Zustand der Strecke erkundigen und uns wurde dringend abgeraten, die Pässe zu fahren. Wir sind daher leider einfach nur schnell zum nächsten Hotel (Hotel Villnerhof) gefahren. Dort wurde das Wetter aber besser und gegen Nachmittag gab es für Friedhelm und mich die Gelegenheit, doch noch ein paar nette Kilometer zu absolvieren und u.a. das Lavazéjoch (Passo di Lavazé) zu befahren

 

Alpenglühen im Dreiländereck

So wie letzte Nachmittag geendet hat, ging es auch am nächsten Morgen wieder weiter: bestes Wetter und eine klasse Strecke im Dreiländereck Italien, Schweiz und Österreich. Der erste Programmpunkt für heute war die Fahrt über die SS42 und den Mendelpass  weiter zum Tonalepass (Passo del Tonale). Nach einer schönen und schnellen Fahrt gab es gegenüber dem Monumento Ossario eine kleine Pause.

Nach der Stärkung sollte  es dann gleich zu den nächsten Pässen weitergehen. Allerdings wurde dann ein Fotostopp kurzerhand in eine technische Diagnosestation für zwei unserer drei BMW umfunktioniert (während die zwei Honda klaglos liefen 😂). Zum Glück war aber alles harmlos und wir konnten weiter fahren.

Das nächste Ziel war der Gaviapass (Passo di Gavia), der uns auf der südlichen Seite 15 nette Kehren bis zur Passhöhe auf 2618 m geboten hat. Auch hier natürlich eine kurze, aber obligatorische Pause für die Beweisbilder.

Eines der „Highlights“ folgte dann mit der Fahrt zum Stilfser Joch (Passo dello Stelvio), der mit 2757 m der höchste Gebirgspass in Italien und der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen ist. Strenggenommen ist es ein ziemlich kommerzieller Zirkus und meistens einfach nur voll dort, aber wir hatten zumindest bei der Anfahrt Glück und die Strecke war nicht völlig verstopft. Oben angekommen durften natürlich die Bilder der Landschaft und die (erfolgreiche) Suche nach einem Murmeltier nicht fehlen.

Trotz der doch starken touristischen Prägung ist der Pass noch immer ein Magnet für viele Motorradfahrer. Mögliche Gründe dafür zeigt ein mit der Drohne aufgenommenes Video vom Stilfser Joch aus dem Internet, das einen ganz Überblick über den Pass gibt:

Einige von uns sind bereits beide Rampen des Stilfser Joch gefahren, andere wollten eine kurze Pause. Mit fehlte aber noch die Ostrampe. Friedhelm und ich Ostrampe runter- und wieder raufgefahren. Da der Verkehr überschaubar war, hat das sogar richtig Spaß gemacht. Die Bilder hat unterdessen Jakob aufgenommen. Nur auf das Murmeltier, das kurz vor meinem Vorderrad die Straße überquerte, hätte ich verzichten können.

Oben wieder angekommen, wurde das Gepäck wieder aufgerödelt und es ging weiter über den Umbrailpass (Giogo di Santa Maria) in die Schweiz. Mit 2501 m ist dies der höchste Strassenpass der Schweiz. Weiter ging es über den Ofenpass ins Val Müstair zwischen Unter- und Oberengadin bis nach Zernez  und von dort über die H27 in Richtung österreichische Grenze nach Nauders. Kurz vor Nauders gab es aber als kleinen aber feinen Abschluß des Tages nochmal ein paar Kurven bei der Norbertshöhe bevor es zum Hotel Margarete Maultasch zum Abendessen und einem bierseeligen Abend ging.

Alpenglühen – das Ende (für mich)

Der nächste Morgen bedeutete Abschiednehmen. Bevor es soweit war, sind wir noch ein paar Kilometer gemeinsam gefahren. Es ging über die Reschen Straße in Richtung Imst. Dazwischen lag noch ein kleiner Abstecher zur Pillerhöhe. Fahrerisch nicht grade anspruchsvoll bietet dieser Pass aber eine sehr schöne Landschaft und mit dem Aussichtspunkt „Gacher Blick“ einen wunderbaren Blick in das Inntal.

Leider trennten sich dann in Imst unsere Wege und während meine Freunde noch ein paar schöne Pässe vor sich hatten, ging es für mich weiter in Richtung Osten. Ganz ohne Kurven ging das aber auch nicht und so habe ich mir dann wenigstens noch den gut und schnell zu fahrenden Dientner Sattel am Hochkönig bei den Salzburger Schieferalpen gegönnt.

Alles in allem war Alpenglühen eine wunderschöne Tour mit allem was dazu gehört: Freunde, Pässe, Kurven, Landschaften, Bier, Wein, Whisky, gutes Essen, Sonne, Regen, Schnee, …. wir haben wahrlich nichts ausgelassen 😎

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7 Kommentare zu Alpenglühen, September 2017 – eine Pässetour mit guten Freunden

  1. TOP – schöne Eindrücke aus meiner Heimat!! 😉

  2. Friedhelm sagt:

    Danke für den gelungenen Reisebericht, lieber Thorsten. Deinem letzten Satz ist nichts hinzufügen. Ich würde die Geschichte allerdings gerne zu Ende erzählen.

    Nachdem wir uns in Imst getrennt hatten und du dich als „Lonesome Rider“ gen Osten orientiert hattest, haben wir verbleibenden glorreichen Vier die restlichen 3 Pässe unserer Tour unter die Räder genommen.

    Das Hahntennjoch haben wir noch bei bestem Wetter geschafft. Auf dem Hochtannbergpass wurde das Wetter zunehmend schlechter und schließlich fing es an, langanhaltend und kräftig zu regnen.
    Regen geht ja bekanntermaßen bei niedrigen Temperaturen in Schnee über. So auch auf dem Furkajoch. Nun ja, da wir Motorradfahren bei schlechter Sicht und Schneematsch schon auf dem Jaufenpass geübt hatten, haben wir auch diese Herausforderung auf dem Furkajoch mit Bravour gemeistert. Schade nur, dass wir bei den minimalen Sichtverhältnissen nichts von der schönen Gegend hatten.

    Nach unserer Ankunft am Ausgangspunkt unserer Reise in Batschuns hatten wir noch einen schönen Abend bei gutem Essen und geistigen Getränken. Am nächsten Morgen wir haben dann alle die Heimreise angetreten. Uwe hat noch bei schönem Wetter die Silvretta- Hochalpenstraße nachgeholt.

    • Thorsten sagt:

      Schön, daß Dir der Bericht gefällt lieber Friedhelm, immerhin hast Du alles geplant und organisiert. Herzlichen Dank auch für die Ergänzung, ohne die die Tour und der Reisebericht nicht vollständig wären.

  3. Ralf sagt:

    Schöner Reisebericht; habe die meisten Pässe selbst auch schon befahren.
    Ich wünsche dir eine schöne Saison 2018!

    Gruß Ralf

  4. Bridgefarmer sagt:

    Einfach grandios wie man so viel Kilometer abspülen kann. Und das mit einem Nakedbike, einfach Wahnsinn .

  5. KITo sagt:

    Echt eine schöne Route, die ihr ausgesucht habt. Bin die meisten Pässe auch schon gefahren. Eine Variante, die mir sehr gut gefiel, war nach Ofenpass Richtung Westen über Davos, Andermatt und Martigny zur Nationalparkregion Vercors. Alles Gute für 2018

    • Thorsten sagt:

      Schön, daß Dir unsere Tour gefällt 😉
      Ich habe mir aber auch mal deine Variante angeschaut – sieht sehr gut aus. Das wäre noch was für die nächste Tour in der Ecke…

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